donderdag 11 september 2008

Dichterlijke wijsheid van Petrus Augustus de Génestet


Individualiteit (II)
"Wees uzelf!" zei ik tot iemand;
Maar hij kon niet: hij was niemand.

Ernst en Vrijheid (XIII)
Geen Vrijheid zonder ernst: geen ernst ook zonder háár.,
Want zij alleen maakt de' Ernst oprecht, gezond en waar.

Regel, met uitzondering (XVI)
De slechtste Christnen hier op aard,
't Zijn Theologen — zonder baard.

Methoden (XXXII)
Men heeft de empirische en bespieglende methode —
Ook die van Bosco is bijzonder in de mode

Leekedichtjes (XXXIV)
»Zo'n dichtje, nu, wat wil dat zeggen,
Op wetenschappelijk gebied?
N i e t s, — doch het leere ú overleggen,
Wat waar en heilig is, wat niet.

Een Voorstander (XLIV)
»'k Ben v o o r de waaheid!" Goede man, 'k geloof het graag;
Maar zijt ge er a c h t e r? dat's de vraag!

Waarschuwend voorbeeld (LI)
De Liberalen van gisteren — ach,
't Zijn kettermeesters van den dag.
Gij, Liberalen van heden,
Zult ge in hun voetspoor treden?

Paradox (LIX)
»Hij is geen dominee"—
De hemel zij geprezen!
Voor velen is men 't best door 't ganschelijk niet te wezen.

Dogmatisme
(CXII):
De Geest, die 't brood dat zielen voedt,
In steen of gif verandren doet.
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NB: De Romeinse cijfers, tussen haken achter de titels, verwijzen naar de plaats die elk der geciteerde teksten binnen de Leekedichtje(n)s innemen.

NB 2: Zie tevens onze bijdragen van heden met betrekking tot deze auteur en zijn Dichtwerken op onze zustersite Tempel van de Humor, en eveneens op de cultuursite Tempel der Letteren.
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Afbeelding: Petrus Augustus de Génestet in april 1861. Foto van M. Verveer.

dinsdag 9 september 2008

Diepere overdenkingen van Friedrich Schleiermacher

Wir können uns nicht genug waffnen gegen die zauberische Macht von Worten und Namen.

Unendlich ist, was ich erkennen und besitzen will, und nur ineiner unendlichen Reihe des Handelns kann ich mich selbst ganz bestimmen. Von mir soll nie weichen der Sinn, der en menschen vorwärts treibt, und das Verlangen, das, nie gesättigt von dem, was gewesen ist, immer Neuem entgegengeht. Das sei der Ruhm, den ich suche: zu wissen, daß unendlich mein Ziel ist, und doch nie still zu stehen im Lauf.

Laß dich nicht bange machen, was wohl daraus werden möchte, wenn du jetzt dies begönnest oder jenes! Immer wird nichts als du, denn was du wollen kannst, gehört auch in dein Leben.

Nur kühn den Stempel des Geistes jeder Handlung eingeprägt, damit die Nahen dich finden; nur kühn hinaus in die Welt geredet des Herzens Meinung, daß auch die Fernen dich hören.

Laß dir keine Grenzen setzen in deiner Liebe, nicht Maß, nicht Art, nicht Dauer! Ist sie doch dein Eigentum: wer kann sie fordern? Ist doch ihr Gesetz bloß in dir: wer hat dort zu gebieten?

Es ibt keinen schöneren und auch keinen schicklicheren Rahmen um einen großen Schmerz als eine Kette von kleinen Freuden, die man anderen bereitet.

Merke auf den Sabbath deines Herzens, daß du ihn feierst, — und wenn sie dich halten wollen, mache dich frei oder gehe zu Grunde!

Nie werde ich mich alt dünken, bis ich fertig bin; weil ich weiß und will, was ich soll. Bis ans Ende will ich stärker werden und lebendiger durch jenes Handeln, wärmer muß die Liebe sein, die aus einem höheren Grade eigener Bildung hervorget. Dem Bewußtsein der inneren Freiheit und ihres Handelns entspricht ewige Jugend und Freude. Dies habe ich ergriffen und lasse es nimmer, und so stehe ich lächelnd schwinden der Augen Licht und keimen das weiße Haar. Nichts, was geschehen kann, mag mir das Herz beklemmen; frisch bleibt der Puls des Lebens bis an den Tod.

vrijdag 29 augustus 2008

Uit de Jahrmarkt der Gedanken van Karl Kraus

Was sich nicht alles entpuppen kann: ein Schurke und ein Schmetterling.

Ein Schein von Tiefe entsteht oft dadurch, daß ein Flachkopf zugleich ein Wirrkopf ist.

Man glaubt gar nicht, wie schwer es oft ist, eine Tat in einen Gedanken umzusetzen!

Die Funktion der Milz muß ähnlich sein wie die der Notare im Staate: notwendig, aber überflüssig.

An vieles was ich erst erlebe, kann ich mich schon erinnern.

Eines der verbreitesten Krankheiten ist die Diagnose.

Wenn der erst wüßte, wie ernst das Leben ist, er würde sich nicht erfrechen, die Kunst heiter zu finden.

Besser, es wird einem nichts gestohlen. Dann hat man wenigstens keine Scherereien mit der Polizei.

Eine Notlüge ist immer verzeilich. Wer aber ohne Zwang die Wahrheit sagt, verdient keine Nachsicht.

Man soll nicht mehr lernen, als man unbedingt gegen das Leben braucht.

Feuilletonisten und Friseure haben gleich viel mit den Köpfen zu schaffen.

Er hatte so eine Art sich in den Hintergrund zu drängen, daß es allgemein Ärgernis erregte.

Wider besseres Wissen die Wahrheit zu sagen, sollte für ehrlos gelten.

Die wahren Wahrheiten sind die, welche man erfinden kann.

Es gibt Schriftsteller, die schon in zwanzig Seiten ausdrücken können, wozu ich manchmal sogar zwei Zeilen brauche.

Nicht alles, wat totgeschwiegen wird, lebt.

Der Teufel ist ein Optimist, wenn er glaubt, daß er die Menschen schlechter machen kann.

Der Historiker ist nicht immer ein rückwärts gekehrter Prophet, aber der Journalist ist immer einer, der nachher alles vorher gewußt hat.

Zu allen Dingen lasse man sich Zeit; nur nicht zu den ewigen.

Die Unsterblichkeit ist das einzige, was keinen Aufschub verträgt.
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Erlaubt ist, was mißfällt — Karl Kraus zum Vergnügen. Herausgegeben von Günter Baumann. Mit 12 Abbildungen. Reclams Universal-Bibliothek 18467. Philipp Reclam jun. Stuttgart, 2007. ISBN 978-3-15-018467-7. Prijs € 4,— (in de Bondsrepubliek en bij Boekhandel Die Weisse Rose te Amsterdam.
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Afbeeldingen

1. Karl Kraus (1874-1936) in 1901.
2. Voorzijde van het Reclam-deeltje uit 2007 met genoeglijke stukjes uit Karl Kraus' omvangrijke oeuvre.

donderdag 21 augustus 2008

Meer Aforismen vol levenswijsheid van Fritz Brupbacher

Man kann in einem Aphorismus grad so viel Falsches sagen, wie in einem dicken Buch.

Mancher hält sich für vorurteilslos, dieweil er nur unfähig ist, zu urteilen. [1]

Mancher meint sich frei, weil niemand sich mit ihm verbinden will.

Da er sich nicht ändern konnte, wollte er wenigstens die Welt ändern.

Die meisten Leute sind verschlossen, weil sie nichts zu sagen haben.

Man darf nur Gegner, die keine Kanonen haben, durch Worte zu überzeugen hoffen von ihrem Unrecht.

An Lügen ist das Gefährliche, daß man selber glaubt, was man sagt und sich so sein Hirn versaut.

Der Sitz der Wahrheitsliebe ist nicht in den Geschlechtsdrüsen.

Der Unterleib hat nicht viel Geschmack.

Der Geschlechtstrieb wird am besten durch Betätigung unterdrückt.

Viele meinen, freie Liebe sei, wenn man nichts bezahlt.

Wenn man für Freiheit eintritt, meinen viele, sie müssen jetzt nicht mehr arbeiten.

Sehr großer Idealismus dispensiert vom Handeln.

Richte dein Gedächtnis in die Zukunft hinenin.

Tausend Punkte sind keine Linie und tausend Einfälle kein Gedanke.

Gefahr des Politikers: Daß er selber glaubt, was er sagt.

Eine natürliche
Monogamie, auch ohne gedankliche Untreue, ist ein angenehmer, aber seltener Zufall.

Die Ehe ist eine etwas erweiterte kindliche Form der Geschlechtsbetätigung.

Je abstrakter ein Philospoh spricht, umso nobler kommt er sich vor.

Bereuen ist leichter als handeln.

Aphorismen: Nicht zu Ende gedachte Gedanken.
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(Zie tevens onze eerste keuze Aforismen van deze schrijver, gepubliceerd op zaterdag 5 juli op deze zelfde Wijze Woorden-site.)
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[1] Deze uitspraak van Fritz Brupbacher heb ik als motto geplaatst boven de bespreking, op onze moedersite Cultuurtempel, van een boek over vooroordelen, van de Britse essayist Theodore Dalrymple dat sedert maandag 18 augustus in Nederlandse vertaling beschikbaar is.


woensdag 20 augustus 2008

Duitstalige pennenvoerders uiten zich, met de juiste melodie en het juiste ritme, over dieren

Grausamkeit gegen Tiere ist eines der kennzeichnenden Laster eines niederen und unedlen Volkes. Sie ist ein sicheres Zeichen der Unwissenheit und Roheit und kann auch durch alle Zeichen des Reichtums und der Pracht nicht übertüncht werden.
Alexander von Humboldt (1769-1859)

Jedes Weltkind sollte wenigstens einmal im Monat eine Nacht im Freien durchwachen, um einmal alle seine eitlen Künste abzustreifen.

Joseph von Eichendorff (1788-1857)

Es gibt auf der Welt nur ein lügenhaftes Wesen, das ist der Mensch. Jedes andere ist wahr und aufrichtig, indem es sich unverhohlen gibt, als das, was es ist, und sich äußerst, wie es sich fühlt . . . Denn freilich, woran sollte man sich von der endlosen Verstellung, Falschheit und Heimtücke der menschen erholen, wenn die Hunde nicht wären, in deren ehrliches Gesicht man ohne Mißtrauen schauen kann? Ist doch unsere zivilisierte Welt nur eine große Maskerade . . .
Man möchte wirklich sagen: Die Menschen sind die Teufel auf der Erde und die Tiere die geplagten Seelen.
Arthur Schopenhauer (1788-1860)

Ich weiß nicht, wieder liebe Gott einmal bei der großen Abrechnung mein lebenswerk bewerten wird. Ich habe in den letzten Wochen fünfzig Partiturseiten Parsifal geschrieben und drei jungen Hunden das Leben gerettet. Warten wir ab, was gewichtiger auf de Waagschale drücken wird.
Richard Wagner (1813-1883)

Eine der größten Unverfroreheiten des Menschen ist, dies oder jenes Tier mit Emphase falsch zu nennen, als ob es ein noch alscheres Wesen gäbe, in seinem Verhältnis zu den anderen Wesen, als der Mensch!
Christian Morgenstern (1871-1914)

Wenn der Zufall zwei Wölfe zusammenführt, fühlt gewiß keiner die geringste Beklemmung darüber, daß der andere ein Wolf ist; — aber zwei Menschen können sich nie im Walde begegnen, ohne daß nicht jeder denkt, der Kerl könnt ein Räuber sein.
Johann Nestroy (1801-1862)

Die Hündin
Eine häßliche kleine Hündin, im höchsten Grade vormutterschaftlich, kam zu mir. Es war kein rühmliches Tier, und sicher war sie voll zufälliger Junge, von denen kein Aufhebens gemacht worden sein wird, aber sie kam, da wir ganz allein waren, so schwer es ihr fiel, zu mir herüber und hob ihre von Sorge und Innerlichkeit vergrößerten Augen auf und begehrte meinen Blick, — und in dem ihren war wahrhaftig alles, was über den einzelnen hinausgeht, ich weiß nicht wohin, in die Zukunft oder ins Unbegreifliche: es löste sch so, daß sie ein Stück Zucker von meinem Kaffee abbekam, aber nebebei, o so nebenbei, wir lasen gewissermaßen die Messe zusammen, die Handlung war an sich nichts als Geben und Annehmen, aber der Sinn und der Ernst und unsere ganze Verständigung war grenzenlos.
Rainer Maria Rilke (1874-1926)
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Afbeeldingen
1. Alexander von Humboldt, daguerrotype uit 1857.
2. De dichter Rainer Maria Rilke.

zaterdag 16 augustus 2008

Duitstalige opvattingen met betrekking tot de erotiek (1)

De Duitse schrijver Arno Schmidt (1914-1979) was van mening dat je van schrijven heet of geil werd; één van zijn uitdrukkingen met betrekking tot de erotiek was: "Schreiben macht scharf." Dat zal echter niet voor elke schrijver, in de buurt dan wel ver weg, het geval zijn, al is vrijwel ieder eensluidend in de beoordeling als een schrijfproces tot een goed einde is gebracht: dat is een (zeer) bevredigend gebeuren. Een sfeer van erotiek omgeeft het creatieve proces met de pen dus veelal wel, maar dat geldt even zeer voor de verworvenheden van diegenen, die het penseel hanteren of op een andere wijze zeer creatief met hun gaven omgaan.

* * * * *

Wollen wir ein Menschenleben verstehen, so müssen wir wissen, welche Rolle das Erotische darin spielt. Eduard von Kayserling (1855-1918)

Wozu das Drängen, Toben, die Angst und die Not! Es handelt sich darum, daß jeder Hans seine Grete findet."
Arthur Schopenhauer (1788-1860)

Ich wollte ich wäre ein Malzbonbon
Und du, du würdest mich lutschen
Joachim Ringelnatz (1833-1934)

Der Magnet forscht mit der Nadel.
Bis er den Mittelpunkt ergründt
.
Johann von Besser (Dt. dichter, 1654-1729)

Die Wollust bleibet doch der Zucker dieser Zeit,
Was kann uns mehr denn sie den Lebenslauf versüßen?
Christian Hofmann von Hofmannswaldau (1616-1679)

Es ist sonderbar, daß nicht längst die Assoziation von Wollust, Religion und Grausamkeit die Leute aufmerksam auf ihre innige Verwandtschaft und ihre gemeinschaftliche Tendenz gemacht hat.
Novalis [Friedrich von Hardenberg] (1772-1801)

Seid reinlich bei Tage
Und säulich bei Nacht,
So habt ihrs auf Erden
Am weitsten gebracht.
Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)

Ereignet sich der allerseltenste Fall, daß beide Geschlechtspartner den stärksten Grad der Liebe fühlen, so vollzieht sich gegen alle Naturgesetze das Wunder, daß Eines das Andere hebt, daß beide über der Erde schweben
.
Fritz Mauthner (1849-1923)

Was bedeutet dieserhalb ein Name?
In der Liebe ist das einerlei.
Man verlangr nur, daß es eine Dame
Und von angenehmen Fleische sei.
Ludwig Thoma (1867-1921)

Die Schamhaftigkeit der Frauen hängt mit der Unersättlichkeit ihrer Wollust zusammen; alles Unendliche schämt sich
.
Friedrich Schlegel (1772-1829)

Man fragte Sokrates: Was doch das Beste wäre,
Zu freien oder nicht zu frein?
Der Weise gab darauf die Lehre:
Tut was ihr wollt, so wird eseuch gereun.
Barthold Hinrich Brockes (1680-1747)

Und was die Weiber betrifft, so war ich diesen sehr gewogen — hätten sie mich nur haben wollen.

Arthur Schopenhauer (1788-1860)

Der Mensch, recht eigentlich das sprechende Tier, ist das einzige, das auch zur Fortpflanzung der Gespäche bedarf.
Robert Musil (1880-1942)

Der Jüngling küßt,
Wenn er des Mädchens denkt, die eigne Hand
Die sie ihm drückte, als sie von ihm schied,
Der Mann braucht etwas mehr.

Friedrich Hebbel (1813-1863)

Wer nicht mehr liebt und nicht mehr irrt, der lasse sich begraben.
Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
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Afbeeldingen
1. Joachim Ringelnatz.
2. Fritz Mauthner.
3. Friedrich Hebbel.

donderdag 7 augustus 2008

De talrijke facetten van de gespiegelde mens volgens de Duitse dichter Rudolf Georg Binding (1867-1938)

Der Spiegel erzieht die Menschen dazu, sich selbst zu belügen. Noch niemand hat vor dem Spiegel gebeichtet, noch keine Frau bekannt wie sie ist — selbst die schamloseste nicht. Es ist das Gegenteil eines Beichtstuhls oder Beichtvorgangs, hinter dem ein lebendes Ohr, ein Vergebender, ein alles Verstehender ist. Es hat keinen Sinn, dem Spiegel zu beichten. Wenn wir ehrlich vor ihm wären — er würde uns verlachen. Man möchte ihm zwar nichts verhüllen — aber man verhüllt sich, indem man vor ihm tritt.

Die Bewegungen und der Ausdruck des gespiegelten Menschen erreichen nie die Kraft, die Anmut, die Schönheit, deren der Mensch fähig ist. Der gespiegelte Mensch ist der Mensch in der Erkrankung seines Persönlichkeitsgefühls und in der Lähmung seiner Seele.

Sein Spiegelbild anzublicken — selbst mit der leisesten Hoffnung — ist der Sturz des Menschen in das wirklich Vergebliche, der Versuch eines neuen Sündenfalls: eine Frucht vom Baume der Erkenntnis zu essen, der keiner ist.

Menschen, die im Spiegel ihren aufrichtigen Freund sehen, haben keinen aufrichtigen Freund.

Im Spiegel liegt Torheit, Eitelkeit, Vergänglichkeit, Erstarrung, Mord jedes Gefühls, Selbstbetrug, Verachtung aller Wahrhaftigkeit — und in dir nur Schönheit, Liebe, Gefühl, Wahrheit, Erhöhung, Aufstieg, Beglückung.


Sage dir tausendmal, das Spiegelbild sei ein physikalisches, ein optisches Phänomen, ohne Bedeutung für dein Leben — ja, es dürfe keine Bedeutung gewinnen, so gewinnt es dennoch Bedeutung — aber es ist nicht die, die du meinst.

Das Spiegelbild ist das Bild der unzulänglichen Bürgerlichkeit und der verbürgerlichten Unzulänglichkeit — beides — in dem Umfang und in der Bedeutung, die diese Erscheinungen in ihrem Übergang und ihrem Ineinanderfließen zukommt.


Es gibt kein Volk, bei dem der Spiegel das bevorzugte Instrument des Mannes wäre.

Der Spiegel frißt Toren und speit Narren aus — war ein Sprichwort des Mittelalters.

UIT: Rudolf Georg Binding — DIE SPIEGELGESPRÄCHE — IV: Selbstgespräch (Dialoge 1932)
Overgenomen uit Nur noch die Liebe ist stark — Eine Auswahl, erschienen im Bertelsmann Lesering, 1955.

* * * * *

Op 4 augustus jongstleden is het zeventig jaar geleden dat de Duitse dichter Rudolf Binding — die werd geboren op 13 augustus 1867 in het Basel — in het Beierse Starnberg overleed. Ondanks die Zwitserse geboorteplaats waren het Frankfurter achtergronden die zijn leven bepaalden, doordat zijn beide ouders daar vandaan kwamen. Vader Binding was gewoon hoogleraar Strafrecht aan de Universiteit van Basel. Dat beroep bracht nogal eens een verhuizing met zich mee en zo is die Rudolf in zijn jongste jaren en gedurende zijn jeugd uit Basel, via Freiburg en Straatsburg eerst in Frankfurt en vervolgens in Leipzig terechtgekomen.
Hij ging eerst rechten en vervolgens medicijnen studeren, maar maakte geen van beide af. Daarna ging hij in de paardenfokkerij en werd hij wedstrijdruiter. Voor zijn latere werkzaamheid als schrijver werd een reis naar Italië en Griekenland van doorslaggevende betekenis. Tijdens de Eerste Wereldoorlog was hij ritmeester en stafoffcier. Later vestigde hij zich als ongebonden werkend schrijver in en vlakbij Frankfurt am Main.
(wordt vervolgd)